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Friday, June 19, 2015 14:07:03

Angesagte Modetrends nicht im Hochglanzmagazin sondern direkt empfohlen von den Nutzern: Ein IT-Start-Up hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt und versorgt von Wismar aus die Welt mit den passenden Apps.

– Von Manuela Heberer –

Geht es euch auch so? Häufig finde ich das Outfit, das mir richtig gut gefällt, nicht an der Stange im Kaufhaus sondern am Körper einer Anderen. Am liebsten würde ich dann sofort erfahren, wo man es kaufen kann. Aber dafür eine wildfremde Person auf offener Straße ansprechen? Eher nicht. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die hin und wieder in diesem Dilemma steckt. Ein Wismarer Start-Up hat genau das als seine Geschäftsidee ausgemacht und sich auf die visuelle Suche von Modeprodukten im Web spezialisiert. Per Smartphone kann man sich unter fashionfreax.net durch die hochgeladenen Outfits klicken und wenn es gefällt, die entsprechenden Artikel oder auch ähnlich aussehende Alternativen inklusive Link zum Onlineshop anzeigen lassen. „Etwa zwei Millionen Fashionprodukte befinden sich in unserer Datenbank“, erzählt Caroline Mikosch. Mit ihr habe ich mich am Hauptsitz der Empora Group im Technologie- und Forschungszentrum am Wismarer Holzhafen verabredet, um zu erfahren, wer hinter diesem internationalen Projekt steht. Immerhin ist das Portal in 200 Ländern vertreten und hat 800.000 registrierte Nutzer.

Ein elfköpfiges Team kümmert sich von Wismar aus um die Onlineplattform fashionfreax.net. Foto: Manuela Heberer

Skype-Session mit dem Chef
Damit das Ganze funktioniert, gibt es natürlich Kooperationen mit großen internationalen Online-Shops. „Mit vielen Marken arbeiten wir aber auch direkt zusammen“, so Caroline Mikosch. „Einen großen Teil machen aber vor allem Modeblogger aus, die damit mittlerweile richtig Geld verdienen.“ Da ist zum Beispiel MillionLady aus Belgrad mit über 500 hochgeladenen Outfits und fast 1500 Followern, fdiva aus Großbritannien, Kamelis86 aus Madrid und fabesfashion aus Los Angeles. Auch Alexander Straub hat hier über 350 Outfits hochgeladen. Der gebürtige Unterfranke ist Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, das er 2010 in Wismar angesiedelt hat. Um mit ihm persönlich sprechen zu können, organisiert Caroline Mikosch eine Skype-Session mit dem Chef. Wir erwischen ihn in Darmstadt auf dem Sprung nach London, wo er seit vielen Jahren lebt – zusammen mit seiner Frau, der Designerin Tilla Lindig, die unter dem Label „Happycoat“ Jacken und Mäntel aus Öko-Wolle entwirft.

Wow-Effekt
„Unser Ziel ist es, die Millionen von Datenquellen aus dem Fashionbereich für den Konsumenten nutzbar zu machen“, erzählt Straub. Das ist ohne technische Unterstützung manuell kaum mehr möglich. Dabei setzt das Unternehmen fast ausschließlich auf Apps für mobile Endgeräte. Kleidungsstücke von 25.000 Marken können mittlerweile über das System gefunden werden. Modeblogger aus der ganzen Welt laden ihre Fotos hoch. „So können wir Reichweiten erzeugen, die bisher nur die auflagenstärksten Magazine erreicht haben.“ Aber Straub will darüber hinaus: Gerade optimiert sein Team eine Software zur automatischen Kleidererkennung, per Touch auf den Bildschirm können einzelne Details eines Outfits ausgewählt werden. Alle Entwicklungen entstehen in Wismar. Zehn Mitarbeiter sind hier für die Empora Group beschäftigt. Insgesamt sind es 16. Alle zwei Wochen ist auch Straub hier. Ansonsten schätzt er es, dass er sein Team hier „in Ruhe arbeiten lassen kann“, empfand Wismar als richtigen Ort für den Start des Projekts. Von hier aus will er „die Welt mit fashionfreax-Applikationen versorgen“. Dafür braucht er aber auch Personal. „Es gibt gute Unis im Land und die Arbeitsumgebung ist toll“, sagt er. Sicher sei Wismar nicht für jeden Ort der Wahl, aber oft gäbe es bei Bewerbern auch einen Wow-Effekt.

Benjamin Scheibe arbeitet als Werksstudent schon eine ganze Weile für die Empora Group. Nach seinem Studium wird er als fester Mitarbeiter im Bereich Softwareentwicklung einsteigen. Foto: Manuela Heberer

It`s all happening
Auf 30 Leute will er mit seinem Unternehmen demnächst anwachsen. Viele Jahre Erfahrung als Firmengründer, Manager und Investor helfen dem einstigen Oxford-Studenten: Das von ihm mitgegründete Unternehmen Truphone beschäftigt heute 1.000 Mitarbeiter. Hier hat sich Straub aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen, um sich aktuell nur noch um die Empora Group kümmern zu können. Es ist sein erstes Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Vor allem sind es Mitarbeiter aus der Region, die er dafür rekrutiert hat. Eine davon ist Kati Biastoch, die selbst einen Modeblog betreibt und dafür „extrem wertvoll“ für fashionfreax ist, wie Alexander Straub betont. Er hat sich viel Zeit genommen für das Gespräch. Jetzt verabschieden wir uns und ich hake sofort bei Kati nach. Itsallhapping.net heißt ihr Blog. Dort stellt die Schwerinerin ihre persönlichen Lieblingsoutfits vor und gibt Inspirationen aus dem Fashionbereich. „Hier ist sie unsere Verbindung zu den Nutzern, anderen Modebloggern und Marken“, erklärt Carolin Mikosch. Und Kati Biastoch ergänzt: „Ich recherchiere neue junge Modemarken und nehme Kontakt zu ihnen auf, stelle neue Produkte vor und geben unseren Usern so ständig neuen Input.“
Alle 24 Stunden wird die Produktdatenbank aktualisiert, rund um die Uhr werden neue Fotos hochgeladen. Vielleicht ist ja auch mal mein Lieblingsoutfit dabei. Und wenn nicht, kann ich es einfach hochladen und nach den einzelnen Stücken suchen. Ich muss gestehen: Diese App lade ich mir in den nächsten Tagen auf mein Smartphone.

 

Source: alles-mv.de